Psychoanalyse in Graz

Die Geschichte des Grazer Arbeitskreises für Psychoanalyse ist eng mit den Namen Erich Pakesch und Igor A. Caruso verbunden. Igor Alexander Caruso hatte 1947 den „Wiener Arbeitskreis für Tiefenpsychologie“ gegründet – als ersten der fünf Österreichischen Arbeitskreise für Psychoanalyse.

Univ.-Prof. DDr. Erich Pakesch, Psychiater und Psychologe, gründete in Graz 1968 das erste „Institut für medizinische Psychologie und Psychotherapie“ Österreichs und organisierte in den Folgejahren eine Reihe von tiefenpsychologisch orientierten Veranstaltungen in Graz. Im März 1973 rief Pakesch in enger Anbindung an den „Salzburger Arbeitskreis für Tiefenpsychologie“ die „Grazer Gruppe für Tiefenpsychologie“ ins Leben, die ab 1978 den „Grazer Arbeitskreis für Tiefenpsychologie“ bildete. Im selben Jahr gründete Dr. Harry Merl in Linz eine „Linzer Gruppe für Tiefenpsychologie“. 1977 kam es zum Zusammenschluss der „Österreichischen Arbeitskreise für Tiefenpsychologie“ mit dem Ziel, bei Weiterbestehen der Autonomie der einzelnen Arbeitskreise gemeinsame Ausbildungsrichtlinien zu formulieren und gesamtösterreichische Ausbildungsveranstaltungen, Symposien und regelmäßige Konferenzen zu organisieren. 1988 wurde in Graz mit dem Ausbildungsbetrieb begonnen, 1993 wurde der Arbeitskreis in „Grazer Arbeitskreis für Psychoanalyse“ umbenannt.

Ab den 90er-Jahren vertiefte sich die Zusammenarbeit mit dem „Linzer Arbeitskreis für Psychoanalyse“, die zunächst primär in der gemeinsamen Organisation von Ausbildungsveranstaltungen durch KandidatInnen der beiden Arbeitskreise bestand. Im Rahmen des Anerkennungsverfahrens als Ausbildungs-einrichtung gemäß dem Psychotherapiegesetz und dem in diesem Zusammenhang geforderten Umfang des Ausbildungs-angebotes entschlossen sich die beiden relativ kleinen Arbeits-kreise in Graz und Linz, die schon bestehende Zusammenarbeit zu nützen: Unter Beibehaltung größtmöglicher Autonomie treten die beiden Vereine seither in Belangen des Gesetzes gemeinsam als „Linzer Arbeitskreis für Psychoanalyse“ auf. Auf dieser Basis erfolgte die Anerkennung als Ausbildungseinrichtung im Jahr 1994 durch das damalige Bundesministerium für Gesundheit, Sport und Konsumentenschutz.

Seit Mitte der 90er Jahre veranstalten der Grazer und der Linzer Arbeitskreis gemeinsame „Frühjahrsgespräche“, die in der Regel im April in Spital am Pyhrn abgehalten werden. Sie dienen der Diskussion psychoanalytischer Themen. 2004 schlossen sich die beiden Arbeitskreise zu einem „Arbeitskreis für Psychoanalyse Linz/Graz“ zusammen, wobei wichtige wissenschaftliche und organisatorische Aktivitäten wohl in Absprache aber weitgehend unabhängig voneinander in den beiden Sektionen geleistet werden.